In den kleinen  Ort Gnadenberg etwa 6 Kilometer nordwestlich des Ortes Berg bei Neumarkt in der Oberpfalz klosterruine-gnadenberg-030erheben sich beeindruckende etwa 15 Meter hohe Mauern aus braunem Sandstein in einem wie ein grüner Garten wirkendem Areal. Es sind die über 500 Jahre alten Mauern des ehemaligen Brigitten-Klosters Gnadenberg, die sogar noch von der Autobahn A3 aus zu sehen sind. In seiner Blütezeit um 1500 galt das Kloster als Musterbeispiel eines Brigitten-Klosters. Heute stehen von der einstigen Klosterkirche nur noch die gewaltigen orange-brauen Sandsteinmauern von Bäumen und Sträuchen umwuchert in einem im Sommer tief grünen Garten.

Die Geschichte des Klosters

Das ehemalige Kloster des Brigitten-Ordens wurde 1422 von Pfalzgraf Johann I. von Neumarkt und seiner Frau Katharina gegründet.

Katharina war als Kind im Kloster Vadstena in Schweden, dem Mutterkloster des Brigitten-Ordens aufgezogen worden. Gemäß der Ordensregel des Brigittenordens sollten die Klöster als Doppelklöster mit getrennten Konventsbauten für Nonnen und Mönche errichtet werden, was aber meist nur bei neu gebauten und nicht von anderen Orden übernommenen Klöstern umgesetzt wurde. Die Klosterkirchen des Brigittenordens sollten dreischiffige Hallenräume mit fünf Jochen und einem Chor im Westen sein. Dieses Konzept wurde beim Kloster Gnadenberg mustergültig umgesetzt.

Nachdem der Papst Martin IV. im Jahr 1420 die Errichting eines Brigittenklosters in Gnadenberg genehmigte und der Pfalzgraf am 3. Februar 1426 den Stiftungsbrief unterschrieb, kamen bereits im Jahr 1430 die ersten Mönche aus dem Kloster Paradiso bei Florenz nach Gnadenberg. Als neben dem Brudertrakt im Südosten im Jahr 1435 auch der Nonnentrakt im Norden fertig gestellt war, kamen im selben Jahr auch die ersten Nonnen mit ihrer Äbtissin Anna Svenson aus dem Kloster Mariboo in Dänemark ins Kloster Gnadenberg. Im Jahr 1438 wurde zunächst eine notdürftige Kirche eingeweiht, bevor 1451 mit dem Bau der heute als Ruine erhaltenen Klosterkirche begonnen wurde. Im selben Jahr erfolgte am 11. Juli durch den Bischof Johann III. von Eych die Konsekration des Klosters. Das Dach der Klosterkirche wurde in den Jahren 1477 bis 1479 gebaut, das Netzgewölbe der Kirche entstand aber erst von 1511 bis 1518. Geweiht wurde die gothische Klosterkirche, welche keinen Turm sondern nur einen Dachreiter hatte, jedoch schon im Jahr 1483 durch Weihbischof Kilian von Eichstätt. Die Baumeister kamen dabei v.a. aus der Gegend um Nürnberg wie z.B. Jakob Grimm, Eucharius Gaßner und Hans Frommiller. Zusätzlich zu den durch die Ordensregeln bestimmten Bauvorgaben wurden an den Innenwänden ein Emporengang gebaut.

Da das Kloster Gnadenberg bereits zu Beginn viel Nachwuchs gewann sind die Nonnen des dänischen Klosters bereits im Jahr 1438 wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Zur zweiten Äbtissin wurde Elisabeth Kniepantlin aus München gewählt, welche das Kloster von 1438 bis 1451 leitete. Unter der Führung der dritten Äptissin Elisabeth Volkenstaller von 1451 bis 1471 entwickelte sich das Kloster zu einem der führenden Klöster des Brigittenordens. Nach Margaretha Rindsmaul war von 1489 bis 1509 Barbara Fürer aus dem Patriziergeschlecht der Fürer aus Nürnberg Äbtissin des Klosters. Gerade zu dieser Zeit hatte das Kloster seine Blütezeit und erhielt das Kloster Gnadenberg viel Unterstützung von Adelsfamilien der Gegend, wobei auch viele Töchter dieser Familien in das Kloster eintraten.

Mit der Einführung der Reformation im nahen Nürnberg im Jahr 1524 ging es mit dem Kloster bergab und als 1556 durch den Landesherrn Ottheinrich die Reformation auch in der Oberpfalz eingeführt wurde begann die allmähliche Auflösung des Klosters. 1563 wurde das Kloster dann säkularisiert und sieben Jahre später stellte das Kloster seinen Betrieb ein. Weitere sieben Jahre später wurden 1577 Klostergüter verkauft oder als Lehen vergeben. Am 23. April 1635 wurde das Kloster Gnadenberg durch den Dreißigjährigen Krieg zur Ruine. Gerade Landleute der Ordensgründerin brannten als schwedische Truppen die beeindruckende gothische Hallenkirche nieder.

Nach der Zerstörung wurden die Überreste des Klosters zunächst dem Orden der Salesianerinnen zugeteilt, welche die Kirche aber nicht wieder aufbauten. Im Jahr 1802 wurde mit der Säkularisation in Bayern auch dieses Kloster aufgelöst und die Klosterruine und deren Klostergüter kamen in Privatbesitz. Danach wurden dann noch weitere Teile der Ruine abgerissen und in der Südost-Ecke der Klosterkirche etwa an der Stelle der Sakristei ein Haus gebaut. Im Jahr 1898 kaufte dann der bayerische Staat die Ruine und einen schmalen Grünstreifen neben den noch stehenden Mauerresten.

Nachdem in der Oberpfalz die katholische Religion wieder eingeführt wurde, nutze man zunächst die Sakristei als Notkirche. In den Jahren 1954 und 1955 baute man dann den noch erhaltenen Teil des Nonnentrakts im Nordwesten zur Pfarrkirche um und erweiterte diesen Bau 1961 sogar noch.

 

Der heutige Zustand der Ruine

Von dem einst prachtvollen großem Kloster ist heute Vieles nicht mehr erhalten. Der Brüdertrakt in Südosten ist völlig verschwunden und vom Nonnenkloster, das ursprünglich ein Viereck bildete, ist heute nur noch der nordöstliche Flügel erhalten, wobei hier auch die neuere Pfarrkirche mit eingebaut wurde.

Von der ehemals 70 mal 37 Meter Fläche umfassenden gothischen Klosterkirche in der Mitte sind nur noch ein kleiner Teil der Nordwestwand bis zum Anschluss des Nonnentrakts, die komplette Nordostwand und der größtes Teil der Südostwand erhalten. An diesen monumentalen Sandsteinwänden mit ihren dreiteiligen Spitzbogenfenstern sind an den Innenseiten etwa auf halber Höhe teilweise noch die Konsolen erhalten, auf denen das Netzgewölbe der Hallenkirche auflag. Darunter sind auf etwa eineinhalb Metern Höhe auch noch kleinere Konsolen erhalten, die zu dem in den Bauvorschriften des Ordens vorgeschriebenem „eisernen Umgang“, einen mit Eisengitter abgeschlossenen gewölbten Gang mit einer Empore darüber, gehörten. An der langen Südostwand befindest sich das einzige im Kloster erhaltene Grabmal, das lebensgroße Reflief des 1466 verstorbenen Ritters Martin von Wildenstein, der 1460 dem Kloster einen Himmelfahrtsaltar gespendet hatte. Die Sockel der Stützpfeiler im Kircheninnenraum werden unter einem privaten Garten vermutet. Da dieser wie einige weitere Teile des ehemaligen Klosters heute Privatbesitz ist, besteht hier kein Zugang. Neben dem nicht mehr erhaltenen Brüderchor ist auch das daneben gelegene Hochgrab der Klostergründerin Katharina nicht mehr auffindbar.

Im Ort Gnadenberg sind neben Resten der Umfassungsmauer der Klosteranlage auch noch zwei ehemalige Zufahrtstore des Klosters erhalten, durch die heute die Durchgangsstraße durch den Ort läuft.

An einigen Stellen sind die mächtigen Mauern mit Bäumen und Sträuchern zugewuchert. Ein Großteil des Innenraums der Klosterkirche wird heutzutage von dem schon erwähnten privaten Garten eingenommen. So liegen die hohen Jahrhunderte alten orange-braunen Sandsteinmauer heute von der einstigen große und Bedeutung des Klosters zeugend teilweise versteckt in einer schönen ruhigen grünen Idylle. Die Natur hat sich schon viel von dem einst so prachtvollen Kloster zurückerobert. Aber auch gerade dadurch strahlt dieser Ort Ruhe und eine gewisse Mystik aus.

 

Weitere Informationen zur Klosterruine Gnadenberg sind auf folgenden Websites zu finden:

de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Gnadenberg

212.34.177.123/index.php/Kloster_Gnadenberg

www.oberpfalz-luftbild.de/gnadenberg.htm

 

 

Lage der Klosterruine Gnadenberg:

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